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Narren übernehmen in Rathäusern die Amtsgeschäfte
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Foto: André Kempner/LVZ

Karnevalsauftakt: 500 Feierlustige erleben in Markranstädt ein buntes Programm

MARKRANSTÄDT. Wenn ein Pfeil vom Kirchturm rast und eine Zeitmaschine aktiviert, Nebel und Rauch den Markranstädter Markt einhüllen, Harry Potter und Dracula wie von Zauberhand erscheinen, Feierlustige das bunte Treiben bejubeln, kann nur der Markranstädter Carneval Club (MCC) dahinterstecken.

Am 11. 11. war es wieder soweit, die Machtübernahme im Rathaus stand vor der Tür und Hunderte Markranstädter fieberten auf diesen Moment hin. Wer es bis dahin noch nicht wusste, hörte spätestens beim Schlachtruf, was die Stunde geschlagen hat. „Lallendorf oho, Markranstädt oho, MCC oho“ schallte es über den Platz. Als schließlich auch noch ein schmucker Oldtimer anrollte und ein Prinzenpaar entstieg, ließen auch die Letzten den Samstagseinkauf sein.

Unter den rund 500 Zuschauern war auch die 18-jährige Lisa Walbe: „Als Kind habe ich das letzte Mal Fasching erlebt. Heute lasse ich mich überraschen.“ Kurze Zeit später hatte der MCC einen Fan mehr. Kein Wunder, schon das aktuelle Motto versprach Spannung und Lebensfreude: „Die Zeitmaschine steht bereit, bringt Lallendorf durch Raum und Zeit“. Mit auf Zeitreise: Ein verrückter Professor (Studienrichtung Narretei), ein Terminator, ein engagierter Pfarrer und beliebte MCC-Protagonisten: Der Weiberrat, der Harry Potter lebendig werden ließ, das Männerballett mit einem „Men in Black“-Tanz und die Funken mit einem wilden Dracula-Tanz.

Das Ganze war nicht nur ein Augenschmaus – das Publikum wurde einbezogen. Fragen mussten beantwortet werden: Aus welcher Region stammt Dracula, nenne die Namen der drei Harry-Potter-
Hauptdarsteller oder auch wann erschien E.T als Film? Natürlich wussten die Markranstädter Bescheid. Sie freuten sich über Glühwein-Gutscheine

Schließlich war es soweit, die Übergabe stand bevor: Klar überließen die Stadtoberen den Rathausschlüssel nicht so einfach den Narren. Die Aufgabe: Eine Piñata, geschmückt mit einem Zifferblatt – dessen Zeiger auf 11 Uhr 11 – standen, sollte zerschlagen werden. Kein Problem für die Karnevalisten. Im Nu prasselten aus dem mit Süßigkeiten gefüllten Hohlkörper Leckereien heraus. Bürgermeister Jens Spiske blieb nichts anderes übrig – er musste die Schlüsselgewalt an das amtierende Prinzenpaar Eugen I. und Brit I. übergeben. Anschließend startete die Polonaise über den Markt, unzählige stimmten in die Hymne ein: „MCC in Treue dir verbunden, MCC, dieser Club wird niemals untergehn.“ Davon sind nicht nur die Einheimischen überzeugt – viele Besucher staunten über den Enthusiasmus der Beteiligten. „Alle sind mit Herzblut dabei. Immerhin sind wir über 100 aktive Mitglieder“, sagte Michael Unverricht vom Elferrat stolz. Programmdirektor Thomas Koch – Minuten zuvor noch als Professor im weißen Kittel auf Zeitreise – verkündete: „Bis Aschermittwoch können sich die Besucher auf vier Veranstaltungen freuen: Alle haben unterschiedliche Programme. Was genau, wird noch nicht verraten.“ Mitten im Gewühl auch Uwe Heydel: „Ich sammele schon Ideen fürs nächste Jahr“, lachte der MCC-Präsident. „Nach der Saison ist vor der Saison.“ Und auch Rathaussprecherin Heike Helbig strahlte: „Wir wissen, was wir an dem Verein haben. Durch ihn ist Markranstädt die Karnevalshochburg in Westsachen.“ Damit nicht genug: Weit über die fünfte Jahreszeit hinaus gestalte der MCC Feste von Markranstädtern für Markranstädter.

VON INGRID HILDEBRANDT

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